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Mit
13 Jahren habe ich angefangen, Judo zu lernen. Das Konzept, mit minimalem eigenen
Aufwand einen Angreifer zu besiegen, faszinierte mich. Allerdings zeigte sich
bald, ohne Kraft geht im Judo nicht viel. Es war ein hervorragendes Konditionstraining,
aber nicht das elegante Werfen eines Gegners.
Insgesamt hat es mir aber nicht so zugesagt, und ich habe dem Judo den Rücken
gekehrt und unter Sensei Hisatake
(Kyoku Shinkai) Karate gelernt - ein ausgezeichnetes und hartes Training. Der
Schwerpunkt auf sportlichem Kämpfen. Ohne Super-Kondition geht da gar nichts.
Dabei habe ich einige Kleinigkeiten aufgeschnappt, die im regulären Karate nicht vorkommen, aber mir ungemein geschmeidig und elegant erschienen sind. Das Studium hat dann für eine etwas längere Pause gesorgt - die Kungfu Aspekte blieben jedoch in meinem Hinterkopf aktiv.
Um nicht ganz auf die Budo-Kunst zu verzichten, habe ich mich mit der damals sehr dünn gesähten Literatur beschäftigt, und das Büchlein "Ving Chun Kung Fu" von Greco Wong und Clausnitzer hat mich tief beeindruckt. Fortan lebte Ving Chun in meinem Kopf. 1981 hat mich schliesslich ein Bekannter darauf aufmerksam gemacht, dass man in München WingTsun lernen konnte. So ging ich hin, und Michael Till wurde mein erster WingTsun-Lehrer. Damals war K.R.Kernspecht sein Sifu, und bei Michael Till habe ich auch Ulrich Stauner, meinen jetzigen Lehrer, kennen gelernt.
Michael war schon damals ein souveräner Kämpfer, und gegen ihn konnte ich nichts ausrichten. Er war einfach gut. Somit habe ich angefangen, WingTsun zu erlernen.
Alles war neu für mich - ich wußte nur, WingTsun funktioniert gegen mich. Mir war völlig egal, welche Stilrichtung ich lernte - ich konnte ja sowieso noch nichts, und somit machte es mir auch nichts aus, als Michael sich von Kernspecht lossagte, und sich dem Stil von Wong Shun Leung verschrieb. Nach 2 Jahren hat Michael Till seine Schule geschlossen - sein Studium ging vor.
Für mich begann eine längere WingTsun Pause.
Bis ich es 1995 nicht mehr aushielt, und mich in der EWTO unter Sifu Reimers erneut dem WingTsun von Leung Ting widmete. Irgendwann traf ich hier auch Ulrich Stauner wieder. Er war etwas weiter fortgeschritten, und so hatten wir kaum Gelegenheit, zusammen zu trainieren. Im Laufe meines Trainings stellte ich fest, dass das von mir gelernte Leung-Ting WingTsun mir nicht das geben würde, was ich wollte, und hatte 1998 gekündigt. Da traf es sich gut, als mich Ulrich Stauner kurz danach telefonisch an der Ardeche in Frankreich erreichte und mich fragte, ob ich in seiner neu aufgemachten Schule VingTsun lernen wolle - er hätte einen Freund, der ihm das komplette VingTsun von Sunny Tang lehren würde.
Da ich Uli mochte, und sowieso VingTsun - allerdings ein anderes als bisher - lernen wollte, sagte ich zu - ein Schritt, den ich niemals bereut habe.

Es dauerte nicht lange, und ich lernte über Uli auch seinen Freund und Lehrer Sifu Werner Leuschner (hier rechts im Bild) kennen und schätzen, der damals Meisterschüler unter Ving Tsun Meister Sunny Tang (Dunn Wah) war.(links im Bild Peter Hsu)
Meine VingTsun-Kenntnisse wurden deutlich erweitert, das Training machte richtig Spass, und die Techniken funktionierten erheblich besser. Geheimnisse gab es nicht mehr - man hat entweder Techniken geübt, oder eben nicht.
Irgendwann sagte mir Uli, dass es ein noch besseres VingTsun gäbe, und er sei dem auf der Spur. Hier war unser Lehrer Sifu Werner Leuschner wieder derjenige, der uns diesen entscheidenden Kontakt ermöglicht hat.
Als Uli aus den USA von Gary Lam zurückkam, war er ein anderer VingTsun-Mann: Er konnte plötzlich volle Kontrolle über uns ausüben. Seine Frage, ob wir dieses System auch lernen wollten, war wohl nur rhetorisch gemeint - denn wir alle waren tief beeindruckt von Meister Gary Lam's Level One. Endlich hatten wir ein System vor uns, das uns für lange Zeit auf Trab halten würde. Kein Hau-Ruck - kein Hau-Drauf - ein System, das es einem erlaubt, angemessen auf Angriffe zu reagieren, das keine Akrobatik verlangt, und von der Struktur so angelegt ist, dass man es in jedem Alter ausüben kann.
Bei dem ersten legendären Sommerseminar, das
Meister Gary Lam hier in
Dachau auf Einladung von Uli abhielt, wurde deutlich, dass wir alle von Meister
Gary Lam noch unglaublich viel lernen konnten. Neben seinem enormen Wissen über
Ving Tsun hat mich seine Persönlichkeit tief beeindruckt. Äusserst
hilfsbereit, und ohne Starallüren hat er eine entspannte Unterrichtsatmosphäre
geschaffen. Dieses Seminar war einmalig. Viele VingTsun-Meister waren ebenfalls
gekommen, um von Meister Gary Lam zu lernen und Erfahrungen auszutauschen. mehr
dazu.
Am 4.Juni 2006 wurde mir von Sifu Werner Leuschner und Sifu Ulrich Stauner
die Sifu-Würde verliehen.
Mittlerweile habe ich den Level One soweit gelernt, dass ich mich an die Feinheiten machen kann - ich stehe an der Schwelle des Level Two.
Jedes Training ist ein Tüfteln und Erspüren von neuen Möglichkeiten - ein Ende vorerst nicht in Sicht!
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